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Schloss Wilhelmsthal

Schloss Wilhelmsthal

Schloss Wilhelmsthal

Die Bauarbeiten zur Parkanlage begannen 1743

Landgraf Wilhelm VIII. ließ ab 1743 nahe bei Calden das Schloss Wilhelmsthal als Sommer- und Jagdresidenz errichten eines der bedeutendsten Baudenkmäler der Region.

„Anmutig“, „elegant“, „phantasievoll“ , „wohlproportioniert“, „beglückend“ die Attribute, mit denen Schloss Wilhelmsthal in der einschlägigen Literatur beschrieben wird, scheinen im Ringen um Exklusivität förmlich einen Wettstreit zu entfachen und zeugen von der Einzigartigkeit dieses baulichen Kleinods.

Mit seiner feinen Architektur, der prunkvollen Innenausstattung, den Gemälden der „Schönheits-galerie“ und der umgebenden Gartenanlage gilt Schloss Wilhelmsthal, ganz im Stil des französischen „Maison de Plaisance“, als das schönste Rokoko-Anwesen in Nordhessen.

 

Das Vorspiel

Das Vorspiel zur Baugeschichte dieses besonderen Ortes, welche sich über drei Generationen erstreckt, beginnt im Jahre 1723. Der einundvierzigjährige Prinz Wilhelm veranlasst seine Gattin, aus dem Besitz des jüngeren Bruders, des Prinzen Georg von Hessen, das Gut des Namens Amalienthal, südlich von Calden gelegen, zu erwerben. Das Gut bestand aus einem von teichartigen Wassergräben umgebenen Haupthaus nach der Art westfälischer Wasserburgen sowie aus mehreren Ökonomiegebäuden. Im Jahre 1743 erhielt Landgraf Wilhelm VIII. von Hessen-Kassel (1682 bis 1760) das Verfügungsrecht über Amalienthal - der Beginn einer kreativen Passion.

Francois Cuvelliés

Durch die Beziehung zu Clemens August, dem Kurfürsten von Köln, lernte Wilhelm VIII. den Hofarchitekten Francois Cuvilliés (1695 bis 1768) kennen. Letzterer ist bekannt für seine Schöpfungen in München (Amalienburg) und Brühl (Falkenlust). Cuvilliés entwarf 1743/44 die Pläne für den zweigeschossigen Hauptbau mit seitlichen Altanbauten. Drei Jahre später, nach Abriss der Vorgängergebäude und Trockenlegung des Areals, begann der Rohbau (Grundsteinlegung des Hauptgebäudes 1753) zu einem der schönsten Lustschlösser in Deutschland. Die aufgelöste dreiteilige Anlage mit den Vorgelagerten Wachpavillons (später ergänzt durch den Hofarchitekten Simon Louis du Ry) steht in der Tradition der französischen und holländischen Baukunst des späten 17. Jahrhunderts.

Innenausstattung

Mit äußerlicher Dekoration ging Cuvilliés sparsam um, desto reicher ist die Rokokoausstattung der Innenräume des Schlosses ausgefallen, die heute als Museum dienen. Die Stuckaturen der Decken und Schnitzereien der Wandvertäfelung fertigten die Hofbildhauer Johann August Nahl und Johann Michael Brühl aus Kassel, die Malereien an Supraporten und die Schönheitsgalerie der Hofmaler Johann Heinrich Tischbein d. Ä.. Englische Tapeten und Möbel ergänzen das historisch stimmige Interieur. Die Raumaufteilung des Hauptbaus gleicht jener von Schloss Falkenlust im Brühler Park bei Bonn sowie auch der so genannten "Grünen Galerie der Münchner Residenz: Speise- und Musensaal im Mittelteil des Hauptbaues, seitlich das Treppenhaus und die Nebenräume in Form von Kabinetten.

Die Chinesischen Häuser

Den Hauptschmuck der Anlage um das Schloss bildeten seinerzeit zwei „chinesischen Häuser“: frühe Zeugen jener Chinamode des 18.Jahrhunderts, die nicht nur die Keramik und Möbelkunst, sondern auch die Gartenarchitektur ergriff. Die Häuser, die 1799 abgerissen wurden, standen an der Mitte der Breitseiten des Ententeichs um Wegesbreite vom Ufer zurückgesetzt. Ein Mittelpavillon war besonders reich mit seltsamen Dekorationen ausgestattet, die länglichen Zwischenstücke enthielten im Boden Wasserbecken für das Geflügel, denn das Besondere an den Chinesischen Häusern in Wilhelmsthal war, dass Wilhelm VIII. diese Gebäude für seine Enten baute. Er beauftragte einen Händler aus Leyden (Holland), ihm das schönste Federvieh aus aller Welt zu besorgen. Und so tummelten sich in dem eingezäunten Areal Bergenten, Talenten, Kracken, Quarcherz, Grönländer, Areadische, Rottgänse, Pfeilsterze, Schminden, Krummschnäbel u. v. a. mehr. Als im Jahre 1753 Christoph Gottsched, der Leipziger Literaturprofessor und Theaterreformator, beim Landgrafen zu Gast ist, hielt er in einer Schrift fest: "Indem wir uns aber nach der Tafel in dem prächtigen Garten umsahen und sonderlich die unvergleichliche Grotte betrachteten, näherten sich der Durchlauchtige Landgraf nebst dero Erbprinzen unserer Gesellschaft und geruhten, sich mit der Wohlseligen in ein Gnädiges Gespräch einzulassen, auch in unserer Gegenwart selbst bei dem chinesischen Gartenhäuschen dero ausländische Geflügel oder Federvieh zu fuettern: gewiß ein sehr anmutiges Schauspiel, da diese sehr zahm gewordenen Vögel den sie lockenden Herren haufenweise umzingelten, ja ihm auf Haupt und Schultern flogen.“

Landgraf Friedrich II.

Der Kirchenflügel

beinhaltet die von Friedrich II. ausgestattete Kapelle

Der erwähnte Erbprinz führte die Arbeiten in Wilhelmsthal fort, vielleicht nicht mit der gleichen persönlichen Passion, aber mit einem loyalen Sinn für die erforderliche Zier. Der siebenjährige Krieg hatte einen Abbruch der Arbeiten für die unvollendete „Lieblingsschöpfung“ Wilhelms VIII. bewirkt. Das Erdgeschoss und das Mansardengeschoss waren eingerichtet, die Bel-Etage aber harrte noch vollständig des Ausbaus. Wilhelms Sohn Friedrich (Landgraf Friedrich II. von Hessen-Kassel, 1720 - 1785) hat nach dem Tod seines Vaters diese Arbeiten vornehmen lassen. Es wurden Parkettböden gelegt und Stühle beschafft, die Bildhauer hatten noch Stuckarbeiten im Musensaal und anderen Räumen des Obergeschosses auszuführen. An den Hofbildhauer Lucas Meyer wurde 1768 „für Schnitzwerk und Vergoldung in die Bel-Etage die namhafte Summe von 880 Reichstalern gezahlt.; I Der ältere Tischbein lieferte ein Altarbild, als 1768 ein Eckraum im Erdgeschoss des Nordflügels zur Abhaltung des katholischen Gottesdienstes eingerichtet wurde. Als um 1770 alle Arbeiten abgeschlossen werden konnten, hatte Landgraf Friedrich die Pflichten gegenüber dem Andenken an
seinen Vater loyal erfüllt. Im Übrigen aber nahm er am Schloss Wilhelmsthal nie ein stärkeres Interesse.

 

Die Grotte

Die Grotte

ist das älteste erhaltene Bauwerk in Wilhelmsthal

Das einzige aus dem Rokokogarten Wilhelms VIII. erhaltene Bauwerk entstand, ebenfalls nach einem Entwurf von Francois Cuvilliés, an der südlichen Gartenanlage: Die Grotte. Dabei handelt es sich um ein einstöckiges, pavillonartiges Gebäude auf annähernd ovalem Grundriss mit drei rundbogigen Toren in der Front und drei ihnen entsprechenden halbrunden Nischen in der Rückwand; auch von beiden Seiten fällt Licht durch je ein Tor ein. Die heute nicht mehr vorhanden Wasserspiele in der Grotte und die dazugehörige Wasserachse des Kanals wurden von den oberhalb gelegenen Rechteckteichen gespeist. Die leicht geschwungene Fassade öffnet sich zum Bassin mit drei Fenstertüren. Seitlich führen Rampen und Treppen auf das Terrassendach. Kunstvolle schmiedeeiserne Gitter umgeben das Bassin. Über den Kanal sprühen feine Wasserstrahlen. Aus zwei Schwänen, die Putten tragen formt sich vor der Grotte aus Wasserdüsen unentwegt der Anfangsbuchstabe Wilhelm VII.. Der Fußboden der Grotte so schrieb der Zeitgenosse Christian Schimke 1767, ist "von Marmor und die Wände sind mit Moos, allerhand schroffichten und ausgefressenen Klippensteinen, zwischen welchen Schnecken und Muscheln von allerlei Art sich sehen lassen, ingleichen mit blauen und anderen Berg- und Erzsteinen und Korallenzinken versetzt. Verschiedenen aus Erz, Marmor und Muschelwerk verfertigte Drachen, Salamander und andere giftige Tiere und Insekten stehen oben rund herum.“ Die empfindliche Ausgrottierung war frühzeitig reparaturbedürftig. Als 1794 durch Wilhelm IX. zwecks Umgestaltung in einen englischen Landschaftsgarten der Kanal zugeschüttet wurde, war von der beschriebenen Herrlichkeit des Grottenraumes nicht mehr viel vorhanden, obwohl er im Jahre 1783 für 20.000 Taler durch Landgraf Friedrich II., noch einmal instand gesetzt worden war.

 

Landgraf Wilhelm IX.

Englischer Landschaftsgarten

eine natürlich wirkende Anlage

Ab 1795 erfolgte unter Landgraf Wilhelm IX. die Umgestaltung der regelmäßigen Anlage in einen englischen Landschaftspark. Unter der Leitung des Hofgarteninspektors Daniel August Schwarzkopf wurde Carl Friedrich Hentze Hofgärtner in Wilhelmsthal und setzte die Planungen Schwarzkopfs um. Die Heckenkabinette wurden aufgelöst, die Bosketts gelichtet, so dass lockere Baumgruppen auf großen Wiesenflächen erhalten blieben, durch die weit geschwungene Wege führen. Der Schlossteich erhielt eine natürlich erscheinende Form. Die scharfen Geländekanten der regelmäßigen Anlage wurden gebrochen, die geometrischen Formen aufgelöst und die Pavillons im Park abgetragen. Südlich der Mittelachse ließ Wilhelm IX. stattdessen den Wartturm als neogotische Ruine errichten. Im Umfeld des Schlosses entstanden zahlreiche Blumenklumps. Das ursprüngliche Achsensystem ist bis heute als Gerüst der Anlage erhalten.

 

Neugestaltung

1962 bis 1965 wurde der Bereich der Südachse, mit Grottenanlage und Kanal, sowie die Bepflanzungen mit Hainbuchen Hecken und Baumalleen, rekonstruiert, so dass mit den Wasserspielen, dem kunstvollen Schmiede Gittern und den vergoldeten Skulpturen ein Eindruck von der ursprünglich aufwändigen Gestaltung der Rokoko-Anlage aus der Mitte des 18. Jahrhunderts vermittelt wird. Mit den beiden weiteren Kasseler Residenzgärten Karlsaue und Bergpark Wilhelmshöhe ist Wilhelmsthal ein Kandidat für die Welterbe-Liste der UNESCO: Ein Meisterwerk der menschlichen Schöpferkraft, außergewöhnliches Zeugnis einer kulturellen Tradition und hervorragendes Beispiel eines Ensembles von Architektur und Landschaft, das mehrere Epochen versinnbildlicht.

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