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Ersterwähnung

Ersterwähnung von Calden

Die erste dokumentarische Erwähnung unseres Ortsnamens Kalden
(von Justus Schüler 1965)

In den letzten Jahrzehnten hatte mancher Nachbarort seine Jubiläumsfeier, Kassel ging 1913 mit einer 1000jahrfeier voran, Grebenstein folgte 1924 mit einer 600jahrfeier. Karlsdorf und Mariendorf schlossen sich 1936 bzw. 1937 mit 250jahrfeiern an, und Ehrsten und Westuffeln bildeten 1952 bzw. 1964 mit 1000jahrfeiern den Schluss.

Kassel feierte, weil 913 der damalige Frankenherzog und deutsche König Konrad I. (911-918) auf seinem Königshof in Chasala zwei Urkunden unterzeichnet hatte. Grebenstein hatte 1524 vom hessischen Landgrafen die Stadtrechte verliehen bekommen. 1686 war Karlsdorf, 1687 war Mariendorf gegründet worden. 952 hatte Otto der Große Ehrsten, in der Urkunde Heristi genannt, vom Sachsenherzog Hermann Billing eingetauscht, und 965 schenkte Otto der Große der Kirche zu Magdeburg den Königshof Rosbach (Rösebeck) und die Vorwerke zu diesem Hof, darunter die beiden Uffeln.

Karlsdorf und Mariendorf feierten das Gründungsjahr ihrer Dörfer, Grebenstein gedachte des 600jährigen Bestehens der Stadtgemeinde, Kassel, Ehrsten und Westuffeln gingen von den ersten urkundlichen Erwähnungen ihrer Ortsnamen aus.

Oft bin ich gefragt worden: "Wann können wir in Kalden einmal ein solches Jubiläum feiern?" - Im Flur unseres Bürgermeisteramtes hängt - wie in vielen anderen Rathäusern - eine Tafel mit den ersten dokumentarischen Belegen. Sie sind Reimers Ortslexikon entnommen. Danach ist Kalden im Anfang des 12. Jahrhunderts zum ersten Mal in den Akten verzeichnet.

Diese sichere geschriebene Nachricht ist dem ältesten Helmarshäuser Register entnommen. Der erste Teil dieses Verzeichnisses enthält die Schenkungen für das Kloster Helmarshausen. Bauer Äbiko aus Kalden übertrug den Benediktinermönchen eine Hofstätte und 11 Acker Land. Ein Bauernsohn aus Kalden namens Hocilin hatte einen Knecht des Klosters erschlagen. Der Abt durfte nach altgermanischem Recht für seinen getöteten Diener das Wergeld (Sühnegeld) erheben. Deshalb musste Liuthere (von Lothar), der Vater des Totschlägers, dem Kloster 6 Acker und eine Frau im Einverständnis mit ihrem Erben, demselben Hocilin, 2 Acker abgeben.

Der 2. Teil des Heimarshäuser Registers zählt die Gefälle (Abgaben, Gebühren) an das Kloster auf. Danach besaß Helmarshausen in Kalden 5 mansi (Kuben, Hufen) und einen halben mansus, also 5 1/2 Hufen Land, das sind 165 Acker. Eine Hufe umfaßte neben Hofraum, Hausgarten und Wiesen rund 3O Acker Land, dazu kamen die Nutzung der Weide- und Waldhute und die Holzberechtigung. Wie hoch die Fruchtabgaben waren, ist leider nicht mehr zu entziffern. Leserlich ist nur:: „in die Kammer ein Talent (etwa 1/2 Zentner) Flachses".

Das ist der Inhalt der Eintragungen. Leider weiß man nicht die genaue Jahreszahl der Kaldener Schenkungen. Im historischen Ortslexikon steht der Anfang des 12. Jahrhunderts, andere nennen die Jahreszahlen 1107-1112, andere 1120. Bemerkenswert ist auch die Schreibung unseres Ortsnamens. Im vorgenannten Register heißt es immer Chaldun, sonst im 12. Jahrhundert auch Chaldin, im 13. Jahrhundert Colden, im 14.Kelden (1315) und Kalden (1336), im 15. Kalden (1405-1407) und Kolden, im 16. Kalden (1511 und 1523). Natürlich ist es durchaus möglich, dass Kalden in noch früheren Dokumenten genannt wurde, die nicht mehr erhalten sind. In einer Urkunde vom Jahre 1042 wird das Dorf "Kalle" als in pago et in provincia Westfalon (Gau und Provinz Westfalen) gelegen genannt. Es ist aber fraglich, ob unser Kalden gemeint ist. Im 9.-10. Jahrhundert erscheint in den Akten ein Ort Kaleriki. Man weiß aber nicht genau, ob man diesen Namen auf Kelze oder Kalden beziehen muss. Wir können also nur die Helmarshäuser Eintragungen sicher als die ersten Beurkundungen unseres Ortes ansehen.
Der Anfang des 12. Jahrhunderte ist dieselbe Zeit, als Kalden als wichtiger Ort am Wege der isländischen Pilger aufgeschrieben wurde. Es war die Zeit Heinrichs V., des letzten salischen Kaisers, auf den die Hohenstaufen folgten. Mit unserer Tausendjahrfeier ist es also nichts.

Wenn wir 112O, also den spätesten Termin, für das Jahr der Schenkungen annehmen, könnten wir erst 2020 eine 900-Jahrfeier oder 1970 eine 850-Jahrfeier begehen, obwohl wir auf eine 4000jährige, allerdings in den ersten drei Vierteln ungeschriebene Geschichte zurückblicken können. Das käme mir aber vor, als wenn man sich darüber Gedanken machen sollte, ob man einen Achtzigjährigen, der seit 19 Jahren hier wohnt, aber keine Papiere hat, für mündig erklären könnte !