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Johanneskirche

Die Johanneskirche

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Abbildung der Johanneskirche

Situation vor dem Bau
Zwischen Ostern und Pfingsten des Jahres 1843 wurde das Betreten der alten Kirche (erbaut 1606) wegen Baufälligkeit bei Strafe verboten. Die antreibenden Kräfte zum Abriss der alten Kirche und zum Bau eines neuen Gotteshauses waren der Pfarrer Ludwig Beinhauer und der Bürgermeister Johannes Sostmann.
Der Chronist „Treispastor“ Johann Georg Humburg lässt durchblicken, dass ein Teil der Bevölkerung eine Reparatur bzw. Verbreiterung des Kirchenschiffs für sinnvoller hielt.

 

Diese Einstellung wird umso verständlicher, wenn man an die schlechte wirtschaftliche und politische Situation erinnert:
"Am I4juli 1845 hätten wir starken Hagelschlag im Kornfelde, im Jahr 1846 Mißwuchs, im Jahr 1847 große Teuerung..."
Die Revolution 1848 verunsicherte die politischen Kräfte, viele Menschen schlössen sich der Auswanderungsbewegung nach Nordamerika an. Selbst dem Kurfürstlichen Curatorium war die schwierige finanzielle Situation der Gemeinde klar: "Es haben in hiesiger Gemeinde etwa 760 Gemeindeglieder, von welchen etwa die Hälfte nur zahlungsfähig ist." und weiter, "...die einzelnen Bewohner der Gemeinde Calden sich größtenteils in geringen Vermögensverhältnissen befinden."

Bau der Kirche

Wilhelmsthalerstr. mit Johannes Kirche

Die schlechte Bausubstanz wurde von der Oberbaubehörde bestätigt, so dass sich die Caldener Bürger in die Notwendigkeit eines Neubaues fügen mussten. Vom Landesbaumeister Schnackenberg wurden 1843 Baupläne und ein Kostenvoranschlag ausgearbeitet. 4900 Thaler sollte die neue Kirche kosten. Die Bauarbeiten wurden "verakkordiert" (vergeben). Der Kostenvoranschlag für die Maurerarbeiten betrug 1844/45 schon 5283 Thaler, 17 Silbergroschen und 9 Heller. Trotz der finanziellen Schwierigkeiten wurde 1844 der Neubau der Kirche zu Calden genehmigt.

 

Am 15. Juli 1844 begann man mit dem Abriß der Kirche. "Jetzt nun gings darauf los! - die so feste Kirche niederzureißen und eine neue zu bauen."
Der Maurermeister Hölzer begann im Frühjahr 1845, das Fundament zu mauern, "aber kaum über die Erde gekommen, so lief er davon."
Nach einigen Monaten Stillstand beauftragte die Kirchengemeinde den Maurermeister Obermann aus Immenhausen mit dem Weiterbau.
Außer dem Bankrott des Maurermeisters Hölzer gab es auch bei seinem Nachfolger verschiedentlich Verzögerungen, denn der Oberbaumeister Schnackenberg ließ Mauern abreißen, weil nicht genau genug gearbeitet worden war.
Der Bau der Bahnstrecke Kassel-Warburg zog wegen der höheren Löhne viele Arbeiter und Fuhrunternehmer an. Die Sandsteinquader, die aus Grebenstein und Volkmarsen geholt werden mußten, "kosteten im Bruche ohne Fuhrlohn 2 Silbergroschen per Kubikfuß." Engagierte Landwirte aus Calden, wie der „Treispastor“ Humburg fuhren mit eigenen Pferdegespannen nach Volkmarsen, um den Weiterbau zu sichern und die Kosten zu senken.
Der Turm wurde nach dem Vorbild der alten Kirche mit einem Spitzdach versehen. Die hierfür vom Baumeister vorgeschriebene Höhe wurde der Gemeinde zu teuer, so dass man bei 2/3 Höhe (45 statt 60 Fuß) stehenblieb.
Auf die Turmspitze wurde der alte Turmknauf von 1606 montiert, der im Dreißigjährigen Krieg durchschossen wurde.
Die beiden Glocken aus dem Jahr 1563 und 1789 haben bedingt durch die beiden Weltkriege ein besonderes Schicksal. Sie sollten im ersten bzw. zweiten Weltkrieg eingeschmolzen werden.
Die Betglocke, 1463 gegossen, wurde 1917 nach Hofgeismar gebracht, aber nach zwei Jahren konnte sie unbeschädigt zurückgeholt werden.
Am 18.04.1940 kam vom Landeskirchenamt wieder die Aufforderung zur Anmeldung aller Bronzeglocken. Die jüngere Glocke wurde am 02.12.1941 abtransportiert. Anfang 1949 fand sie ein Caldener auf dem Glockenfeld bei Hamburg. Seit dem Frühjahr 1949 hängen nun beide Glocken vereint im Glockenstuhl.
Der Chronist Johann Georg Humburg schließt seine Aufzeichnungen zum Bau der Kirche mit folgender Bemerkung: „... und nun, Geliebte, sollte euch ein ähnliches Schicksal treffen, wir wollen es nicht wünschen, so seht euch besser vor, überleget erst, ob ihr es auch durchführen könnt, oder vielleicht wie bei uns statt 4900 fithlr. 15000 fithlr. kosten könnte."

Der Innenraum

Der Innenraum

Der Innenraum
Die Fertigstellung des Innenraums erforderte noch ein weiteres Jahr. Die Kirchweihe konnte erst am 2. Dezember 1849 stattfinden.
Die Kirche hat eine Länge von 25 Metern, eine Breite von 15 Metern und eine Höhe von 11 Metern. Die Fenster sind 4,25 Meter hoch und 1,65 Meter breit.
Der Dehio bezeichnet die Kirche als einen "interessanten, spätklassizistischen Bau mit flachem Rechteckchor und eingestelltem Frontturm".

 

Sechs sechskantige Holzsäulen auf Steinfüßen in der Höhe zwischen den Rundbogenfenstern und vierzehn steinerne Pilaster tragen das Basilikadach mit Tonnengewölbe. Dadurch besteht die Kirche aus drei Schiffen.
Interessant ist das steinerne Sakramentshäuschen aus der ältesten Caldener Kirche. Es wurde bei der Renovierung im Jahr 1968 in den nördlichen Rundbogenpfeiler des Chorraumes mit der Öffnung zur Gemeinde eingemauert.
Wie damals üblich hatte man im Mittelschiff Holzbänke mit einem Mittelgang, Bänke in den Seitenschiffen und Querbänke im Altarraum.
Der alte Altar bestand aus einem großen, mit schwarzem Tuch bespannten Holzkasten. Hinter dem Altar befand sich eine kleine Sakristei, zu der der Pfarrer Zugang durch die Osttür der Kirche hatte.
Oberhalb der Sakristei stand die Kanzel, zu der man auf einer verkleideten Treppe gehen musste.
Im Westen der Kirche befindet sich die Orgel mit schönem Rokokoprospekt aus dem Jahre 1781 von der Firma Heren aus Gottsbüren.

Reparaturen und Erneuerungen

Das Altarbild

von Hermann Pohl, aufgestellt 1993

Reparaturen und Erneuerungen
Seit 1849 hat die neue Kirche nebst Turm schon viele kostspielige Reparaturen erforderlich gemacht. Das Kirchendach musste mehrmals erneuert werden. Blitzschlag beschädigte am 7.5.1884 den Turm so stark, dass das gesamte Turmdach, sämtliche Fenster und Türen zertrümmert, sowie Uhr und Orgel beschädigt wurden. Im Jahr 1927 wurde das Innere der Kirche gründlich erneuert. Erst im Jahre 1968 wurde vom Kirchenvorstand eine weitere große Renovierung der Kirche in Angriff genommen:
Das alte Gestühl mit seinen geteilten Bankreihen wurde durch eine Bestuhlung ersetzt. Die bis dahin in verschiedenen Blautönen gehaltene Decke des Kirchenschiffes mit den gelben Sternen wurde übertüncht und mit einer weißgrauen Kassettendecke übermalt. Der Chorraum wurde gänzlich umgestaltet, Sakristei, Kanzel und Treppe abgebrochen. Der Entwurf für einen neuen Altar und eine neue Kanzel stammte von dem Künstler Hüguess aus Hümme.

 

1988 waren erneut Renovierungsarbeiten notwendig geworden. Große Probleme hatte man mit dem Innendach und dem Tonnengewölbe. Im gleichen Jahr gestaltete man den gesamten Altarraum neu. Man entfernte die Mittelstufe des Altarraumes, der Altar selbst wurde nach Vorschlag von Herrn Pohl aus Kassel nach vorn gerückt und proportional zum neu zu schaffenden Altarbild verkleinert. (Fertigstellung 4.7.1993)
Die Außenansicht der Kirche ist schließlich durch die mehrmalige Verbreiterung der B7 in den Jahren 1926 und 1968, durch Abriss des alten Schulgebäudes, des alten Pfarrhauses und Stilllegung des alten Friedhofes (bis 1877 benutzt) verändert worden.
Die Caldener Kirche bekam am 17.9.1997 einen neuen Wetterhahn. Fahne und Hahn wurden detailgenau den alten Vorbildern nachgebaut. Zwei Jahreszahlen auf der Kupferfahne sollen die Erinnerung an die Erbauung der Kirche 1848 und die Erneuerung der Kirchturmspitze 1997 wach halten.
Historische Daten zum kirchlichen wie auch politischen Leben in Calden birgt die alte Kupferkugel aus dem frühen 17. Jahrhundert.