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Kirmes

Kirmes in Calden

Die Kirmesfahne führt den Festzug an

Kirmes
Die cällische Herbstkirmes ist in ihrer Form weit und breit einzigartig und seit vielen Jahren fester Bestandteil des Dorfgeschehens und kultureller Höhepunkt zum Ende des Jahres. Anlässlich des 900-jährigen Bestehens von Calden soll auch ein kleiner geschichtlicher Rückblick und eine Erklärung der wichtigsten Bräuche der Kirmes gegeben werden, die vielen Freunden der Kirmes wohl bekannt, aber für viele Bürger auch neu sein dürften.

In ihrer Urform ist die Kirmes schon viele Jahrhunderte alt. Im Laufe der Zeit verschmolzen damals Erntedankfest und Kirchweih zu einem gemeinsamen Fest. Der rein kirchliche Charakter ging mit der Zeit verloren, doch Bauern und Handwerker behielten das Fest bei, um ihre Freude über ein erfolgreiches Jahr mit der "Kirmes" auszudrücken.

 

Der Kirmesbär und sein Leibwächter

Die Bocksbeutelflasche, die mit Schnaps gefüllt ist und aus der die Kirmesburschen einem jeden anbieten, fand ihren Weg in die Kirmestradition aus der Zeit des Landgrafen Friedrich II. von Hessen-Kassel. Friedrich II. rekrutierte für seine Hofjagden bei Schloß Wilhelmsthal Treiber aus Calden, welche für ihre Dienste eine Bocksbeutelflasche mit Wein – Friedrich II. war im Besitz einiger Weingüter im Badischen – erhielten. Die Bocksbeutelflasche war eine Auszeichnung und kam einem Orden gleich, weshalb man sie zur Kirmes auch stolz präsentierte. Die geschah etwa um 1730, und im Laufe der Zeit wurde sie dann fest in die Kirmes übernommen, wie es auch heute noch Brauch ist.

 

1. Kirmesvater Michael Dietzsch mit Jungbär

Im Zuge der Industrialisierung im späten 19. Jahrhundert drifteten Handwerker und Bauern auseinander. Die einen wurden zum Großteil Arbeiter, die anderen blieben Bauern. Dies hatte auch Auswirkungen auf die Kirmes, da sich die Parteien trennten und jeder sein eigenes Fest feierte. Da sie dies zum gleichen Zeitpunkt taten, blieben handfeste Keilereien natürlich nicht aus. Die Kirmesburschen der Arbeiter konnte man am roten Hutband erkennen und die der Bauern am grünen.

Mit den Jahren wuchs aber wieder zusammen, was zusammen gehört, und es wurde wieder gemeinsam gefeiert. Aus diesen wilden Zeiten blieben uns weitere Bräuche von hoher Bedeutung wie das grüne Hutband und das Kirmeslied. Der Text des Kirmesliedes wurde 1905 von Georg Meier beim Reinigen der Heizschlangen des Kesselsteins auf dem Zimmerplatz der Firma Braun gedichtet. Es ist vielen wohl bekannt und beginnt mit den Worten „In Calden geht’s gar lustig zu...“

 

Kirmespolizist überwacht den Ablauf

Im Jahre 1938 wurde aus bekanntem Grunde zum vorerst letzten Mal eine Kirmes gefeiert. Nach zehnjähriger Pause erinnerte man sich wieder des alten Brauches und so kam es, dass 1948 die erste Nachkriegskirmes gefeiert wurde. In den harten Nachkriegsjahren war es aus finanziellen Gründen für viele Junggesellen – um in Calden Kirmesbursche werden zu können, muss man Junggeselle und in Calden wohnhaft sein – nicht möglich die Kirmes mitzumachen, so dass die Kirmes im Jahre 1954 mangels Beteiligung hätte ausfallen müssen. Bevor dies jedoch geschah, gestattete man ausnahmsweise auch Verheirateten die Teilnahme, so dass das Jahr 1954 als einzige Verheirateten-Kirmes in die Geschichte einging.

Michael Dietzsch
1. Kirmesvater
Juli 2007